Archäologie
im Bodensee und Federsee

 

 

 

 

Forschungstaucherin Dr. Julia Goldhammer präsentierte am Dienstag, 5. April 2022, den anwesenden Kolpingmitgliedern im Gemeindehaus St. Theresia einen hochinteressanten Vortrag, unterlegt mit tollem Bildmaterial, über Funde und Bergungen von Zeugnissen unserer Vorfahren im Bodensee und Federsee. Die Mitarbeiterin der Feuchtbodenarchäologie des Landesdenkmalamts in Hemmenhofen zeigte an Hand von Unterwasserfotos, dass Kulturschichten unter Wasser die Müllhalde unserer Vorfahren waren und einen enormen Aussagewert über deren Lebensweise enthalten.

In Baden-Württemberg gibt es 15 Fundstellen, welche 2011 mit dem Siegel „Weltkulturerbe“ ausgestattet wurden. Im Bild eindrücklich dargestellt wurde die Fundstelle Unteruhldingen, wo in der Nähe des heutigen Freilichtmuseum ein größeres Pfahlbaudorf stand; die Forscher orteten dort 70 000 Pfähle, die noch unter Wasser vorhanden sind.

Dr. Goldhammer schilderte dann alle Disziplinen, welche in Hemmenhofen gebündelt sind wie Dendrochronologen, Archäobotaniker, Archäologen – insgesamt 25 Mitarbeiter. Im Osthafen von Sipplingen konnten so gemeinsam 17 Siedlungsphasen nachgewiesen und zeitlich zugeordnet werden. Wegen der Pegelschwankungen des Bodensees musste dort eine Kiesschüttung über der Fundstelle durchgeführt werden. Dass die eingeschleppten und für den Bodensee untypischen Wassertiere wie Quaggamuschel und Kamberkrebs auch den Archäologen zu schaffen machen, verdeutlichte die Referentin im Bild recht anschaulich.

Dass das Federsee-Ried eine reiche Fundlandschaft darstellt, wurde ebenfalls im Bild dargestellt. Bereits 60 Einbäume wurden hier gefunden. Gearbeitet wird derzeit an steinzeitlichen Bohlenwegen, die über den einst viel größeren See zur damaligen Insel, heute Bad Buchau, führten.

Abschließender Höhepunkt ihres Vortrags war der Bericht über die im Frühjahr 2021 erfolgte Bergung eines 8 Meter langen Einbaums aus Lindenholz. Das 4 000 Jahre alte Wasserfahrzeug – bisher der einzige Einbaumfund im Bodensee, lag am Seerhein bei Konstanz und wurde von zwei Rentnern zufällig entdeckt. Er befindet sich nun in Konstanz im Speziallabor zur Konservierung, die ca. 5 Jahre dauern wird.

Die Stv. Vorsitzende Jessica Wunderlich dankte der Referentin mit einem Präsent für den faszinierenden Abend und wünschte ihr eine gute Heimreise an den Bodensee.

 

 

 

 

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